Die Preisverleihung des Anerkennungs- und Förderpreises „Muotastei“ fand am 13. Juni 2014 in der Aula des Schulhauses Stumpenmatt statt. An der Feier wurde das Schaffen von Stefan und Rösly Inderbitzin-Studiger und Hugo und Irene Inderbitzin-Schelbert gewürdigt.

 

 

 

 

Start in ein Leben als selbständiger Geschäftsmann

Auf den Reisen durch Afrika hatten Stefan und Hugo immer die Absicht, sich auf irgendeine Art und Weise selbständig zu machen. Die ersten Ideen reichten von der Organisation von Reisen nach Afrika bis hin zu einem Transa-Lädeli, wofür sich Rösly aber nicht so richtig begeistern konnte. Nach der Rückkehr arbeitete Stefan gezwungenermassen wieder in der Werkstatt seines Bruders Josef Inderbitzin. Hugo zog es ins Aargauische, wo er sein Glück suchte.
Nach gut einem Jahr konnte Rösly das Haus der Studigers übernehmen: Dies war der Grundstein für die Selbständigkeit von Stefan.

Im Heizungs- und im Nebenraum richtete er seine erste Werkstatt ein und reparierte mit dem Inhalt seines Werkzeugkoffers zuerst vor allem Maschinen der umliegenden Fabriken - die Firma Stefan Inderbitzin Maschinen & Reparaturen war gegründet. Kurz nach der Gründung stand auch schon der erste Vertreter im Haus und errichtete ein Schaufenster mit Hitachi-Elektrogeräten. Dieser Vertreter kommt auch heute noch - und trotz seiner Pensionierung - gerne zur Firma Inderbitzin auf Besuch.
Ein Föhnsturm war der Start in den Maschinenbau, denn aus den Versicherungsleistungen konnte Stefan seine erste Drehbank kaufen. Die ersten Maschinen baute er für die Holzverarbeitungsindustrie, so auch für die Kisten- und Holztrommelfabrik Imhof. Für sie konstruierte er eine Maschine zur Herstellung von Kabeltrommeln, die heute noch in Betrieb ist. Im Jahre 1984 kam eine Anfrage der Firma OERTLI, ob Interesse vorhanden wäre, in den Schärfdienst einzusteigen. Stefan war interessiert und absolvierte einen Schärfkurs in Bern. Währenddessen begann Rösly, den Abbruch und Neubau an der Hauptstrasse 84 zu organisieren. 

Gesundes Wachstum

Mit dem Einstieg in den Schärfdienst kam viel Arbeit auf das junge Geschäftspaar zu. Tagsüber arbeitete Stefan als Mechaniker. Am Abend schärfte er Sägeblätter und andere Werkzeuge, die seine Frau Rösly während des Tages eingesammelt hatte. In diesem Bereich musste viel gelernt werden und so gab es etliche Sonntage, an denen Misslungenes ausgebessert werden musste. Da nicht mehr alles alleine zu bewältigen war, wurde kurz darauf der erste Mitarbeiter, Toni Inderbitzin, eingestellt. Im Jahr 1987 fragte Stefan seinen Bruder Hugo, ob er ins Geschäft einsteigen wolle. Hugo entschloss sich, seine Auswanderungspläne zu begraben und zugleich seinen Wunsch nach Selbständigkeit zu erfüllen. Er beteiligte sich an der neugegründeten Firma Inderbitzin & Co. Maschinen und Reparaturen; somit waren sie zu dritt für den Maschinenbau und den Schärfdienst tätig. Da der Betrieb stetig wuchs, mussten sie sich immer wieder an verschiedenen Orten einmieten, um den nötigen Platzbedarf sicherzustellen.

1994 wurde der Standort Hauptstrasse 84 definitiv zu klein für die acht bis zehn Mitarbeiter. Man musste mit dem Neubau im Ried neue Wege gehen. Die Geschäftsinhaber hofften auch, dass dieser Neubau es ihnen ermöglichen würde, mehr Zeit zu Hause verbringen zu können. Die mechanische Werkstatt wurde gezügelt und die Schärferei am bestehenden Standort ausgebaut. Der gute Geschäftsgang bewirkte ein weiteres Wachstum der Firma. Im Jahr 1998 stiegen sie in die Aluminiumbearbeitung für die Möbelindustrie ein. Dies rief nach weiteren Produktions- und Lagerstätten. Zu ihrem Glück fanden sich diese im gegenüberliegenden „Süügaden“ und in der Halle vos „Schmieds Johann“.  Auch in diesem Bereich durfte Stefan wieder neue Erfahrungen sammeln und auch Lehrgeld bezahlen. So wurden beispielsweise über 100 Tischgestelle bestellt, die sauber verarbeitet und eloxiert wurden. Im Werk sahen diese wunderbar aus, aber beim Kunden kamen viele Fingerabdrücke zum Vorschein, die wegen Korrosion durch fettige und schweissige Hände entstanden waren. Diese Fingerabdrücke mussten anschliessend in etlichen Nachtschichten wieder entfernt werden.
Der gute Service, die sehr gute und saubere Arbeit und die Mund-zu-Mund-Propaganda der zufriedenen Kundschaft brachte den gewünschten, allerdings fast zu grossen, Erfolg. Die Firma konnte in den besten Jahren vier bis fünf neue Mitarbeiter pro Jahr einstellen. Nach dem Etablieren der Aluminiumproduktion tauchte der Bedarf nach Blechbearbeitung auf hohem Niveau auf. Weil sich kein passender Partner in der Umgebung finden liess, stieg die Firma Inderbitzin & Co. im Jahr 2008 zusätzlich in die Blechverarbeitung ein. Im Jahr 2011 wurde mit der teilweisen Eingliederung der Firma Greuter Schleifservice ein weiterer Schritt zum heutigen topmodernen Betrieb, der in der ganzen Schweiz tätig ist, gemacht.

Die Frauen in der Firma Inderbitzin AG

Massgeblich zum Erfolg dieser Firma beigetragen haben ganz sicher auch die Ehefrauen von Stefan und Hugo, Rösly Inderbitzin-Studiger und Irene Inderbitzin-Schelbert!
Beide Frauen sind sich gewohnt, hart anzupacken; sei es von zu Hause bei Studigers oder "bis Chaspers". Auf Afrikareisen haben sich die vier durch Probleme gekämpft; improvisieren war da gefragt, Ideen suchen, Innovationen. Zusammenarbeit war das A und O - so wird dies vermutlich auch die perfekte Vorbereitung gewesen sein für ihre spätere Zukunft als Geschäftspartner. Zusammen wurde nach Lösungen gesucht und das ist bis heute so geblieben.
Rösly zog mit Stefan am gleichen Strick, als er sich zur Selbstständigkeit entschloss: Rösly übernahm kurzerhand den Aussendienst und das Büro.
Die Kinder Daniel, Stefanie und Jeanette kamen auf die Welt und haben das junge Paar bereichert. Da war wieder Flexibilität gefragt: Wie wird so ein Geschäfts-Familien-Haushalt organisiert?!
Später, als Irene und Hugo mit ihren Kindern Remo und Denise dazukamen und beide Familien noch im gleichen Haus lebten, wurde auch manche Arbeit geteilt. Überhaupt waren in dieser Zeit von den noch jungen Familien ziemlich viele Leute gefragt und gefordert: Z`Grosi, Schwestern, Schwägerinnen und die Haushalt-Lehrtöchter, die Rösly ja nebenbei auch noch ausgebildet hat!
Statt mit den Kindern spazieren zu gehen, wurden die Kleinen kurzerhand im Büro einquartiert, so konnten sich die beiden jungen Mütter voll und ganz dem Betrieb zuwenden.
Für beide Frauen galt es, zum Wohle ihres Betriebes ihre Bedürfnisse uneigennützig zurückzustecken. Da wurde auch am Abend gearbeitet und am Morgen hat man auch wieder beizeiten begonnen. Am Anfang konnte die noch junge Firma dank den beiden Frauen rascher wachsen. Indem sie uneigennützig auf ihren Lohn verzichteten, konnten so weitere Maschinen angeschafft und Investitionen in ihren Betrieb getätigt  werden.
Mit bewusstem Einteilen ihrer Kräfte konnte aber auch wieder viel kompensiert werden. So sind die Sonntage wirklich ihre Familien-Tage gewesen, wo miteinander etwas unternommen wurde. Oder die Ferien sind bewusst mit den Kindern genossen worden, unter dem Motto: Qualität statt Quantität.
Ganz klar: Ohne diese beiden Frauen würde es die Inderbitzin AG so nicht geben!

Mitarbeiter - Sozialer Arbeitgeber

Was anfänglich als Ein-Mann-Betrieb gestartet wurde, ist bis heute zu einer Firma mit 35 Vollzeitstellen und 9 Teilzeitstellen angewachsen. Das ganze Wachstum und der Fortschritt dieser Firma wären nicht möglich gewesen ohne die gut ausgebildeten und qualifizierten Mitarbeiter. Ohne sie wäre es schlicht unmöglich, einen Betrieb in dieser Weise auszubauen. Daraus lässt sich schliessen, dass das Betriebsklima in der Firma und unter den Mitarbeitern ausgezeichnet ist, da sämtliche Mitarbeiter einander unterstützen, helfen und sich auch gegenseitig respektieren. Anders würde die vorbildlichen Integration von behinderten Mitarbeitern auch nicht so gut klappen. Dank der guten Zusammenarbeit mit IV, BSZ und den eigenen Mitarbeitern beschäftigt die Inderbitzin AG mittlerweile nicht weniger als neun Personen mit einer psychischen oder körperlichen Behinderung. Diese bringen sich gut ein und arbeiten mit vollem Einsatz für einen guten und sicheren Arbeitsplatz.
Für das soziale Engagement der Firma Inderbitzin AG konnten Rösly und Stefan im Jahr 2010 einen Preis vom Schwyzerischen Verein für Sozialpsychiatrie entgegennehmen. Er würdigte ihre vorbildliche Arbeit zur Integration von behinderten Menschen in die Arbeitswelt. Im Jahr 2014 beginnt ein weiteres Kapitel in der Firmengeschichte, denn im August wird der erste Lehrling seine Ausbildung bei der Firma Inderbitzin AG beginnen.

Ein grosser Schritt in die Zukunft

Mit immer wieder neuen Produkten und Eigenentwicklungen will sich die Firma Inderbitzin AG die Zukunft sichern. Dies haben sie auch bewiesen: Sie starteten ein neues Abenteuer und begannen im Jahr 2011 mit dem Neubau der grossen Produktionshalle im Ried. Damit wurde auch eine Reorganisation der Firma in die Wege geleitet. Mit diesem Neubau hatten sie die Möglichkeit, ihre Produktion von zehn verschieden Standorten auf einen Produktionsplatz zu konzentrieren. Getreu ihrem Firmenmotto „Gahd nüd – gids nüd“ wurden bei diesem Neubau auch viele Arbeiten in Eigenregie ausgeführt. Im Jahr 2013 konnten die Geschäftsräume bezogen und mit einen Tag der offenen Tür der Bevölkerung gezeigt werden. Manch einer staunte nicht schlecht, als er diese Halle betrat.

Weiter wurde mit der Gründung der Firma Inderbitzin AG die Frage der Nachfolgeregelung angegangen. Mit dem Eintritt der Kinder Stefanie, Daniel und Remo in die Geschäftsleitung und deren Beteiligung an der AG wurde ein grosser Schritt in Richtung Zukunft gemacht. Um die Firma abzusichern, wurden die Immobilien in eine speziell dafür gegründete Immobilien AG ausgegliedert. Mit ihrer weitsichtigen Art und einer grossen Produktepalette haben Stefan, Rösly, Hugo und Irene einen einzigartigen Betrieb aufgebaut und bieten viele Arbeitsplätze in der Gemeinde Muotathal an. Mit dem Einstieg ihrer Kinder hoffen wir, dass diese die Firma genauso erfolgreich in die Zukunft begleiten und sie irgendwann übernehmen können, so dass Stefis Worten doch noch Taten folgen und er endlich mehr Zeit zu Hause verbringen kann - oder dann halt in Italien.

Würdigung

Stefan, Rösly, Hugo und Irene haben mit der Gründung der Firma Inderbitzin Maschinen und Reparaturen eine beachtliche Leistung erbracht. Sie haben für die Firma gelebt und im privaten Bereichen sehr häufig zurückgesteckt - ihre Familien  mussten auf vieles verzichten. Doch was sie in diesen 31 Jahren erarbeitet haben, ist nicht zu übersehen. Sie haben viele Arbeitsplätze in der Gemeinde Muotathal geschaffen und sichern so das Einkommen etlicher Familien. Weiter tragen sie mit ihrer sozialen Ader zum Wohle unserer behinderten Mitmenschen bei. Sie ermöglichen ihnen einen Lichtblick am Horizont und zeigen ihnen, dass sie noch gebraucht werden. Für diese grossartige Leistung sind wir vom Verein Zukunft Muotathal überzeugt, dass sie den Anerkennungs- und Förderpreis „Muotastei“ mehr als verdient haben.

Für aussergewöhnlich vorbildlich

erachten wir ihre zukunftsweisende Denkart: sie haben ihre Firma auf mehrere Standbeine ausgerichtet und sind so auch für die Zukunft gerüstet.

Weiter aussergewöhnlich vorbildlich ist der stetige Versuch, behinderten Mitmenschen den Wiedereintritt in die Arbeitswelt zu ermöglichen.

Für aussergewöhnlich nachhaltig

erachten wir für unsere Gemeinde den Zusammenzug aller Geschäftsbereiche an den neuen Standort in Ried-Muotathal.

Auch für sehr nachhaltig erachten wir die Umstrukturierung der Firma Inderbitzin & Co. in eine Aktiengesell-schaft und den gleichzeitigen Einbezug ihrer Kinder in die Geschäftsleitung und als Teilhaber der AG. Somit ist ein sehr wichtiger Grundstein für die Zukunft der Firma Inderbitzin AG gelegt.

Foto Guido Bürgler

Stefan, Rösly, Hugo und Irene, wir gratulieren euch recht herzlich zu dieser Auszeichnung und hoffen, es geht die nächsten 30 Jahre gleich gut - oder noch besser - weiter mit eurem Betrieb!