Preisverleihung an  Peter Suter, Wätterschmöcker

Am 21. Juni durfte der Verein Zukunft Muotathal den Anerkennungs- und Förderpreis „Bödmereholz“ an Peter Suter übergeben. Er wurde für sein seriöses Schaffen als Muotathaler Wetterschmöcker ausgezeichnet. Nachstehend eine gekürzte Fassung der Laudatio.

 

 

Von Marcel Fässler

Lebenslauf von Peter Suter

Wenn man die Geschichte von Peter als Wetterschmöcker genauer betrachten möchte, muss man in seinem Leben sehr weit zurück schauen, da er schon als junger Bursche auf seinen Botengängen vom „Geissbützi“ ins „Bodäroseli“  auf verschiedene Zeichen der Natur achtgeben musste.
Damit wir Peter ein bisschen besser kennenlernen können, erzähle ich ein wenig aus seinem Leben. Peter wurde am 15. April 1927 in der Gietzenen, im Ried geboren und ist dort mit seinen vier Geschwistern aufgewachsen. Es war sicher nicht immer eine einfache Zeit, da sie als Bauernkinder auf dem Hof der Eltern mithelfen mussten. Peter erinnert sich noch sehr gut an diese Zeit, da sie auch etliche Male ihren Wohnsitz zügelten. Ihre Sommerresidenzen waren die Alpen „Bodäroseli“ und „Geissbützi“.  Als er dann vom „Geissbützi“ ins „Bodäroseli“ hinunter gehen musste um zu heuen, bekam er von seiner Mutter den Auftrag, auf die Waldameisen, Vögel und das Rauschen des Baches achtzugeben, um dann bei seiner Rückkehr zu berichten, was ihm die Natur erzählte.
Der Tagesablauf im Winter während den Kriegsjahren hatte es auch in sich. Da sie eine Bauernfamilie waren, wurden sie als Selbstversorger deklariert und erhielten keine Marken für Milchprodukte. So musste Peter alle zwei Tage - nach der Halbtagesschule - hinauf ins „Bodäroseli“, um acht Liter Milch zu holen, da sie im Tal keine bekamen.
Nach der Schulzeit hat Peter zu Hause auf dem elterlichen Bauernhof mitgearbeitet bis er zur Rekrutenschule einberufen wurde. In dieser Zeit musste die Familie Suter einen Schicksalsschlag hinnehmen, da die Mutter nach einer schweren Brustfellentzündung gestorben war.
Nach der RS wollte Peter von zu Hause weg, einmal etwas anderes sehen. Zuerst ging er auf den Stoos und half beim Bau der Wasserleitung mit. Danach wechselte er in den Stollenbau; seine Stationen waren Wassen und die Grimselwerke, bevor es nach Graubünden ging. Dort lernte er seinen späteren Beruf Sandstrahler kennen. Nach der Wanderzeit fand er bei der Firma Weber in Schwyz eine Arbeitsstelle, bei der aber nicht immer alles so vonstattenging wie er sich das eigentlich vorstellte. In den Jahren 1962/63 konnte Peter aus einer Konkursmasse heraus seine ersten Sandstrahlgeräte anschaffen und damit den angefangen Auftrag  dieser Firma beenden. So hat er sich den Weg in die Selbstständigkeit geebnet. Damals war natürlich noch viel mehr Handarbeit angesagt als heute. Peter meinte dazu: Franz, sein Junior, verarbeitet mit der heutigen Technik alleine vielmehr, als sie damals zu Dritt hätten verarbeiten können. Auch jetzt ist Peter noch ab und zu in der Werkstatt anzutreffen, sei es um Franz zu helfen, sperrige Ware zu verschieben oder nach dessen Feierabend noch das eine oder andere Teil entgegenzunehmen.
Auch eine eigene Familie konnte Peter gründen, doch nicht auf Anhieb, da er nach einem schweren Töffunfall erst an seinem eigentlichen Hochzeitstag wieder aus dem Koma erwachte. Im Jahr 1954 heiratete er dann doch seine liebe Frau Elisa und es entstand eine grosse Familie mit sieben Kindern und 19 Grosskindern. Erst kürzlich schenkte ihnen ihr ältestes Grosskind das erste Urgrosskind.
Dass Peter aber nicht nur ans Arbeiten dachte, sieht man auch an seiner grossen Bandbreite an Freizeitbeschäftigungen. Da sein Beruf als Sandstrahler nicht gerade gesund war, riet ihm der Arzt, sich mit Laufen fit zu halten, aber nicht nur einfach so laufen, sondern wettkampfmässig. So hat Peter während seiner sportlichen Laufbahn auch an etlichen Militärmärschen im In- und Ausland, ja sogar in Afrika teilgenommen. Weiter hat er sich mit Bergsteigen, Skifahren und Langlaufen jung gehalten. Seine Freizeitaktivitäten suchte er so aus, dass er auch immer die Möglichkeit hatte, die Natur für seine Wettervorhersagen beobachten zu können. Peter ist ein begnadeter Tänzer und hält sich auch so gesund und munter. Auch das Muotataler Vereinsleben prägte Peter Suter. Er war in verschiedenen Vereinen aktiv und übte seine angenommen Ämter seriös aus. Dieses Jahr wurde er beim Samariterverein sogar für sein 50-jähriges Jubiläum ausgezeichnet.

Werdegang des Wetterschmöckers Peter Suter

Peter musste schon in jungen Jahren, auf Anweisung seiner Mutter, auf verschiedene Zeichen der Natur achtgeben. Seien es Waldameisen, ob sie bei Sonnenschein arbeiten oder nur wild umherlaufen, oder wie der Specht pfeift, oder ob der Bach am Wegrand anders rauscht als normal. Je nachdem musste er zuhause berichten was ihm die Natur alles erzählte, und unter Umständen musste er eine Kehrtwende machen und seinem Vater beim „Stocknen“ des Heus helfen. Wenn ein Gewitter im Anmarsch war, bekam er manchmal die Aufgabe, auf das Vieh achtzugeben. Während dieser Zeit beobachtete er die Winde und Wolken. Daraus konnte er mit der Zeit verschiedene Schlüsse ziehen, wie sich das Wetter kurzeitig verhalten würde. Durch diese Aktivitäten erkannte die Mutter sein Talent und seine Begabung für das Wetterlesen und begann, ihn zu fördern. Er las viel in alten Büchern und Wetterberichten, sei es über Mond und Gestirne oder über Wind und Wetter. Hinzu kommt, dass Peter sehr feinfühlig ist in Bezug auf das Wetter und so auch auf sein Bauchgefühl hören kann. Schon als Junge versuchte er sich als Wetterprophet und machte mit seinem Bruder Wetten, welcher die besseren Prognosen abgeben konnte.
Als im Jahr 1947 der Meteorologische Verein Innerschwyz gegründet wurde, konnte Peter leider nicht an der Gründungsversammlung teilnehmen, da er zu dieser Zeit die Rekrutenschule absolvierte. Aber schon ein Jahr später ist Peter diesem geselligen Verein beigetreten. Er gab zwar in den Anfangsjahren noch keine offiziellen Prognosen ab, hat aber dafür sein Wissen ums Wetter immer mehr erweitert. Er hat sich fast in jeder freien Minute die Wanderschuhe angezogen und ist in die Berge gegangen, um die Natur zu beobachten und von ihr zu lernen.
Für seine Langzeitprognosen für den bevorstehenden Winter beobachtet er in 1400 bis 3000 m. ü. Meer den Wald, die gelben Enziane und auch die Alpenrosen. Wenn zum Beispiel der gelbe Enzian im Herbst abstirbt und im gleichen Herbst neue Triebe bekommt, heisst das, dass ein später Frühling kommen wird. Für die Sommerprognosen ist das ein wenig schwieriger. Da die Natur während des Winters nicht ganz so viele Zeichen bereithält, muss sich Peter auf den Schnee und die Winde verlassen können.
Mitte der 50er Jahre gab dann auch Peter seine ersten Prognosen als Wetterschmöcker im Verein ab. Damals war es noch einfacher als heute, da man nur eine Monatsprognose abgeben musste. Heute sind es zwei Prognosen pro Monat, ein speziell ausgesuchter Tag und eine zusammenfassende Quartalsprognose! Aber auch schon früher durfte neben den Prognosen der gesellige Teil an solch einem Anlass nicht fehlen. In seinen Jahren als Wetterschmöcker gewann Peter schon etliche Male den begehrten Wanderpreis. Leider lässt sich das nicht genau beziffern, aber er dürfte in der Bestenliste weit vorne liegen.
Im Jahr 1994 stellte sich Peter für das Amt als Präsident des Meteorologischen Vereins Innerschwyz zur Verfügung. Während seiner Amtszeit wurde das ganze Reglement über die Bewertung und Auswertung der Prognosen überarbeitet.  Für ihn war das nicht ganz einfach , da er sich für mehr Sachlichkeit in den Prognosen einsetzte. Die andern Propheten waren der Meinung es müsse mehr Klamauk und Folklore in die Prognosen einfliessen. Nach zehn Jahren als Präsident ist Peter mehr oder weniger freiwillig von seinem Amt zurückgetreten. Um weiterhin seine Prognosen abgeben zu können ist er dem Verein als Mitglied erhalten geblieben.
Da der Bekanntheitsgrad der Wetterschmöcker von Jahr zu Jahr anstieg, hatte dies auch Auswirkungen auf sein Leben. Im Sommer kann es sein, das er bis zu drei Vorträge an einem Tag halten muss. Je nach Publikum finden sie in einem Restaurant oder auf einer Wanderung statt, wobei Peter schon lieber in der freien Natur unterwegs ist. Er erzählt dort mit grossem Enthusiasmus von seinem Wissen als Wetterschmöcker und hofft, dass seine Zuhörer auch das eine oder andere mit auf den Weg nehmen. Zu seiner Klientel kann Peter fast alle Bevölkerungsschichten zählen, vom Arzt über den Politiker bis zum einfachen Bauern. Wobei der letztgenannte sehr genau zuhört und manchmal eine kritische Frage in die Runde wirft.
Mit seinem Schaffen als Wetterschmöcker hat Peter Suter den Namen Muotatal weit über die schweizerische Landesgrenze hinausgetragen und so beste Werbung für unser Muotatal gemacht. Er ist im Deutschen Fernsehen aufgetreten und in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften publiziert worden. Was alles in der Schweiz über ihn und seine Kollegen geschrieben, gefilmt und vertont wurde, kann schon gar nicht mehr gezählt werden. Weiter wurden Peter und der Meteorologische Verein Innerschwyz zu unseren Nachbarn an den internationalen Wettergipfel im Tirol eingeladen.

Meteorologischer Verein Innerschwyz

Der Meteorologische Verein Innerschwyz wurde am 25. Mai 1947 im Gasthof Adler in Ried-Muotathal auf Initiative von Zacharias Föhn, Zingel, und Melk Anton Bürgler, Illgau, gegründet. An der Gründungsversammlung hatten sich auf Anhieb 87 Personen als Mitglieder eingetragen und 50-60 Rappen bezahlt. Bereits an der Herbstversammlung wurde eine erste Vereinsfahne eingeweiht. In den darauffolgenden Jahren nahm der Mitgliederbestand stetig zu, so dass 1997 gut 450 Mitglieder registriert waren. Explodiert sind diese Zahlen erst, als man sich für mehr Folklore und Klamauk entschied. Da ist die Mitgliederzahl rasant auf gut 4000 Personen angestiegen.
Der Verein führt jedes Jahr eine Frühlings- und eine Herbstversammlungen durch. An diesen wird ein Rückblick auf das vergangene Halbjahr gemacht um den Wetterkönig zu küren. Dieser erhält dann den Wanderpreis und einen Fünfliber in einem roten Tuch. Anschliessend trägt jeder Prophet seine Prognose auf humoristische Art und Weise vor. Momentan nehmen an diesen Versammlungen 650 bis 900 Personen teil,  was auch Probleme bei der Suche nach einem geeigneten Durchführungslokal mit sich bringt. Um selber Wetterschmöcker zu werden, muss man zuerst ein paar Prognosen ausser Konkurrenz abgeben. Damit wird kontrolliert, ob derjenige auch was vom Wetter versteht.
Unter dem Namen Meteorologischer Verein Innerschwyz ist der Verein praktisch nicht bekannt. Im Volksmund wird er "Muotathaler Wetterschmöcker" genannt. So trägt er den Namen Muotatal ins ganze deutschsprachige Gebiet von Europa, obwohl mit mit Peter Suter nur noch ein echter Muotathaler als Prophet aktiv ist. Hoffen wir, dass sich in nächster Zeit ein Muotathaler für das interessante Hobby begeistern kann und dieser Runde beitritt - nicht,  dass es auf einmal "Schwyzer Wetterschmöcker" heisst.

Würdigung

In seiner Jugend musste sich Peter Suter wohl oder übel mit der Natur und dem Wetter auseinandersetzen, da dies für eine Bauernfamilie existenzsichernd sein konnte. Aus diesem notwendigen „Übel“ hat sich bei Peter eine Begeisterung entfacht, und er hat sich immer mehr mit dem Thema Wetter auseinandergesetzt. Peter hat einen grossen Teil seines Lebens damit verbracht, sich mit der Natur und dem Wetter zu beschäftigen, und hat so viele alte Weisheiten übers Wetter in die heutige Zeit überbracht und dies ganze ohne Computer und Technik. Es würde auch uns keine Farbe abgehen, wenn wir zwischendurch mal unsere technischen Hilfsmittel ausschalteten, um einfach mehr auf die Natur und unseren Körper zu hören.
Wir vom Verein Zukunft Muotathal sind der Ansicht, dass das Schaffen von Peter Suter als Muotathaler Wetterschmöcker aussergewöhnlich vorbildlich, inspirierend, zeitlos und echt, identitätstifdend und idealistisch ist, da er einen grossen Teil dazu beitrug, den Namen Muotatal, zusammen mit dem Meteorologischen Verein Innerschwyz, in die ganze Welt hinauszutragen.

  • Als aussergewöhnlich vorbildlich sehen wir seine Ausdauer. Peter gehört seit 65 Jahren dem Meteorologischen Verein an und ist immer noch aktiv dabei. Seine Ausdauer ist auch beim Samariterverein zu sehen, bei dem er auch schon seit 50 Jahren ein treues Mitglied ist.
  • Als aussergewöhnlich inspirierend empfinden wir seine Art der Prognosen. Sie sind zwar nicht ganz so humoristisch wie die seiner Mitstreiter, aber der Muotataler Witz fehlt auch bei ihm nicht.
  • Als aussergewöhnlich zeitlos und echt erachten wir Peter in seiner Art. Er ist sich in den 65 Jahren als Wetterschmöcker treu geblieben und stellt seine Prognosen so vor, wie er es sich vorstellt: Sachlich, mit ein wenig Humor.
  • Als aussergewöhnlich identitätsstiftend, da er den Namen Muotatal als Wetterschmöcker in die Welt trägt und sich damit identifiziert.
  • Als aussergewöhnlich idealistisch, da Peter viel Zeit für sein Hobby aufbringt und so bei den Versammlungen des Meteorologischen Vereins Innerschwyz ein grosses Publikum mit seinen Prognosen erfreuen kann.

Der Verein Zukunft Muotathal gratuliert Peter recht herzlich zu dieser Auszeichnung.

© Foto Erwin Gubler, Fotograf, Muotathal